Noro-Viren tarnen sich und entgehen so der menschlichen Abwehr
Alle Jahre wieder, meist in der Winterzeit, sorgen Noro-und Rotaviren dafür, dass ganze Pflegeheime oder Kindergärten außer Gefecht gesetzt werden. Auch auf Kreuzfahrtschiffen kommt es immer wieder vor, dass die Traumreise so zum Albtraum wird. Plötzlich auftretende Übelkeit, Erbrechen und starke Durchfälle sind die Symptome, die gerade bei Abwehrgeschwächten auch schon einmal ernste Folgen haben können. Tödliche Verläufe gehören regelmäßig dazu. Jedes Jahr sind weltweit Millionen von Menschen betroffen, wirksame Maßnahmen zur Prophylaxe oder Therapie gibt es nicht. Eine gründliche viruzid wirksame Händedesinfektion ist dann dringend nötig, um die Situation in den Griff zu bekommen.
Die Übertragung erfolgt fäkal-oral oder auch durch die Luft, wenn ein Erkrankter sich erbrechen muss und die Erreger in die Umgebung freigesetzt werden. Im Unterschied zu anderen Infektionskrankheiten müssen bei Noro nur geringste Mengen an Viruspartikeln in den Körper aufgenommen werden, um eine Infektion auszulösen -so jedenfalls die bisherige Lehrmeinung.
Troja lässt grüßen
Jetzt entdeckten amerikanische Wissenschaftler, dass wohl doch mehr Viren im Spiel sind, als ursprünglich angenommen. Diese arbeiten als Team. Sie tun sich zu Clustern von bis zu 40 Viren zusammen und durchbrechen die menschliche Abwehr, indem sie sich mit einem Membranvesikel tarnen. Wie ein trojanisches Pferd schützt die Membranhülle die darin versteckten Viren vor enzymatischer Zerstörung und macht sie für Antikörper im menschlichen Stuhl unsichtbar. Nicht zuletzt gelangen auf diese Art viele Viren gleichzeitig in die Zielgewebe. Diese Strategie sorgt dafür, dass die durch Vesikel getarnten Erreger deutlich infektiöser sind als einzelne Viren.
Zwar gibt es bereits eine Rota-Schutzimpfung, die in Deutschland für Säuglinge empfohlen wird, aber gegen Noro-Viren ist man bisher machtlos. Die neu gewonnenen Erkenntnisse müssen noch in größeren Studien bestätigt werden. Das Ziel: Die Entwicklung von Wirkstoffen gegen die Clusterbildung, um den Viren den Garaus zu machen.
Weitere Informationen unter https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/magen-darminfekte/article/969203/infektionen-tricksen-noroviren-abwehr.html?wt_mc=nl.upd.AEZ_NL_NEWSLETTER.2018-08-13.Magen-Darminfekte.x