Pflege

Multiresistente Erreger (MRE) bei Patienten ambulanter Pflegedienste

Bakterien

Wenn es um multiresistente Erreger geht, ist die ambulante Pflege eine unbekannte Größe. Bisher liegen aus diesem Bereich keine Untersuchungen zur Prävalenz multiresistenter gramnegativer Erreger (MRGN) bzw. von Enterobakterien mit einer erweiterten Resistenz gegen β-Laktamantibiotika vor. Zur Prävalenz von MRSA gibt es ebenfalls nur wenige Daten. Anlass genug für das MRE-Netz Rhein-Main, im Jahr 2014 eine Untersuchung zu Risikofaktoren und Prävalenz für MRGN-Kolonisationen und –Infektionen durchzuführen. Die Ergebnisse wurden jetzt von Neumann et. al. Im Bundesgesundheitsblatt veröffentlicht.

An der Untersuchung beteiligten sich zehn Pflegedienste, darunter ein Intensivpflegedienst. Insgesamt wurden 486 Patienten untersucht, bei 269 wurden Nasen- und Rachenabstriche entnommen, 132 Patienten waren mit einem Analabstrich einverstanden.

Im Ergebnis konnte bei 3,7% MRSA und bei 14,4 % ESBL/MRGN nachgewiesen (6,8% ESBL, 7,6% 3MRGN, kein Nachweis von 4 MRGN).

Als Risikofaktoren für MRSA wurden Pflegestufe 3 oder höher, Antibiotikatherapie innerhalb der letzten drei Monate, Krankenhausaufenthalte innerhalb des letzten halben Jahres und eine bekannte MRSA-Anamnese ermittelt.

Inkontinenz sowie Krankenhausaufenthalte in der Anamnese wurden als Risikofaktoren für eine ESBL-Besiedlung gefunden.

Als Risikofaktoren für eine Besiedlung mit 3MRGN erwiesen sich eine hohe Pflegestufe, Harnwegskatheter, PEG-Sonden und andere Stomata, eine invasive Beatmung sowie eine positive MRE-Anamnese.

Die Autoren kommen zu der Schlussfolgerung, dass angesichts dieser hohen Zahlen ambulante Pflegedienste über Kompetenzen in der Pflege von Menschen mit MRE verfügen müssen. Hierbei nennen sie ausdrücklich die Händehygiene, den sachgerechten Umgang bei der Wundversorgung und bei Punktionen und Injektionen, beim Umgang mit Kathetern und Stomata sowie ggf. invasiver Beatmung und verweisen darauf, dass die KRINKO-Empfehlungen auch im Bereich der ambulanten Pflege umzusetzen sind.

 

Quelle: Bundesgesundheitsbl. 2016 59:292-299 DOI 10.1007/s00103-015-2290-7, online publiziert: 2. Dezember 2015, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015