Wieso schreibt der jetzt was zur Frühsommer- Meningoenzephalitis, wir haben doch bald Herbst? Und wir wohnen im Norden! Eine Antwort vorweg: Bis zum vollständigen Impfschutz dauert es…. genau – Bis zum nächsten Frühjahr! Doch der Reihe nach.
FSME in Norddeutschland
Auch in Norddeutschland spielen durch Zecken übertragene Krankheiten mittlerweile zunehmend eine Rolle. In Deutschland sind die beiden am häufigsten übertragenen Krankheiten dabei die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) und die Borreliose. Während FSME primär in FSME-Risikogebieten im Süden der Republik eine Rolle spielt, tritt die Borreliose in ganz Deutschland auf. Was nicht heißen will, dass Niedersachsen FSME-frei wäre, denn zwischen 2004 und 2017 trat die gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) meldepflichtige Erkrankung hier 15 mal auf. Keiner der betroffenen Patienten hatte sich in einem Risikogebiet aufgehalten. In diesem Fall spricht man von sog. autochthonen Fällen.
Überträger der FSME ist in Deutschland eine bestimmte Zeckenart, der gemeine Holzbock, von dem es diverse Unterarten gibt. Die Erreger befinden sich in den Speicheldrüsen dieser Zecken und können beim Stich auf den Menschen übertragen werden. Entzündliche Erkrankungen der Hirnhäute, des Gehirns und des Rückenmarks sind mögliche Folgen einer Infektion mit FSME-Viren, schwere, bleibende Lähmungen gefürchtete Komplikationen. Die Schwere der Erkrankung steigt mit zunehmendem Lebensalter.
Das niedersächsische Landesgesundheitsamt (NLGA) führt seit einigen Jahren ein Zecken-Monitoring durch. Dabei wird ermittelt, mit welchen Erregern die Zecken infiziert sind. Zwischen 2008 und 2017 wurden so in über 500 Sammelstellen mehr als 46.000 Ixodes-Zecken beprobt. Dabei ergab sich, dass Borrelien, die Erreger der Lyme-Borreliose, bis zu 30% der Zecken befallen hatten. Rikettsien, die das Zeckenbissfieber auslösen, wurden bei 13% der Zecken gefunden, Anaplasmen und Neoehrlichia bei 8%. Der Nachweis von FSME-Viren konnte nur vereinzelt geführt werden, man fand sie in Zecken aus dem Landkreis Cuxhaven und aus Nienburg.
FSME kann jedoch nicht nur von Ixodes spp., sondern auch von der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatis) übertragen werden. Diese lebt zwar vorwiegend in Süd- und Ostdeutschland, wurde aber auch in Niedersachsen gefunden.
Für alle die, die Niedersachsen nie verlassen
Aus den Befunden wurde der Schluss gezogen, dass eine mögliche FSME-Infektion in Niedersachsen zwar unwahrscheinlich, jedoch nicht mehr völlig auszuschließen ist. Aufgrund der bisher niedrigen Fallzahlen lässt sich ein regional gewichtetes FSME-Risiko für Niedersachsen nicht ableiten. Die Robert Koch Institut (RKI) aufgestellten Kriterien zur Definition von FSME-Risikogebieten werden bisher von keinem niedersächsischen Landkreis bzw. kreisfreien Stadt erfüllt. Demzufolge gibt es für Niedersachsen auch keine allgemeine FSME-Impfempfehlung. Für Angehörige bestimmter Berufsgruppen, die sich häufig in freier Natur aufhalten, kann die Impfung dennoch sinnvoll sein. Hier sollte zuvor eine individuelle ärztliche Risikobewertung durch stattgefunden haben.
Für die, die auch mal in den Süden fahren, obwohl es bei uns wärmer ist
Für Personen, die Risikogebieten wohnen oder arbeiten und dabei ein Risiko für Zeckenstiche haben oder sich aus anderen Gründen dort aufhalten und dabei gegenüber Zecken exponiert sind, empfiehlt die Stiko die Impfung. Wer also gern in den Bergen wandert (Bayern und Baden Württemberg sind quasi flächendeckend als Risikogebiet deklariert), tut gut daran, sich impfen zu lassen. Auch bei Reisen in andere europäische Länder lohnt ein Blick in die Landkarte der FSME-Risikogebiete. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass ein sicherer Schutz vor Erkrankung erst nach drei zeitlich voneinander getrennten Impfungen zu erwarten ist. Nach einer Erstimpfung ist zwei bis zwölf Wochen später eine Zweitimpfung nötig, die dritte gibt es dann neun bis zwölf Monate nach der zweiten. Bei weiterhin bestehendem Risiko sollte der Impfschutz dann alle 3 bis 5 Jahre aufgefrischt werden.
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